#042 Was die Vergessenskurve über dein Leben verrät
26. Juni 2026
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Die Vergessenskurve und warum Wissen allein dein Leben nicht verändert
Es gibt einen Satz, den ich in meinen Mentorings immer wieder höre: "Ich weiß das eigentlich eh."
Manchmal geht es um die Gesundheit. Manchmal um den Wunsch, gelassener zu werden. Ein anderes Mal um den Mut, endlich eine wichtige Entscheidung zu treffen oder die eigenen Grenzen besser zu schützen. Fast immer folgt nach diesem Satz eine kurze Pause und dann kommt ein zweiter Satz, der mich jedes Mal nachdenklich macht: "Aber ich schaffe es einfach nicht, dranzubleiben."
Früher dachte ich, dass dahinter mangelnde Disziplin steckt. Heute sehe ich das völlig anders. Je länger ich Menschen begleite, desto mehr bin ich überzeugt, dass die meisten gar kein Wissensproblem haben. Im Gegenteil. Sie wissen erstaunlich viel. Sie haben Bücher gelesen, Podcasts gehört, Vorträge besucht und unzählige Ratgeber durchgearbeitet. Sie könnten oft selbst erklären, warum Bewegung wichtig ist, weshalb Stress krank machen kann oder warum ausreichend Schlaf ein entscheidender Faktor für unsere Gesundheit ist. Und trotzdem verändert sich häufig wenig.
Diese Beobachtung hat mich viele Jahre begleitet. Bereits während meiner Zeit als Führungskraft in einem internationalen Unternehmen habe ich mich gefragt, warum manche Menschen ihr Potenzial scheinbar mühelos entfalten, während andere trotz hoher Kompetenz immer wieder an denselben Herausforderungen scheitern. Damals suchte ich die Antwort in der Motivation, in der Persönlichkeit oder in den äußeren Umständen.
Heute weiß ich, dass die eigentliche Antwort viel einfacher ist: Wir beschäftigen uns einfach nicht lange genug "auf die richtige Art" mit den Dingen, die uns wirklich wichtig sind.
Vor einiger Zeit bin ich wieder auf die Arbeiten des deutschen Psychologen Hermann Ebbinghaus gestoßen. Er wollte herausfinden, wie unser Gedächtnis funktioniert und wie schnell wir neu Gelerntes wieder vergessen. Seine Erkenntnisse sind für mich bis heute faszinierend. Bereits kurze Zeit nach dem Lernen beginnt unser Gehirn damit, Informationen wieder auszusortieren. Was nicht regelmäßig wiederholt wird, verliert Schritt für Schritt an Bedeutung.
Als ich darüber nachdachte, wurde mir plötzlich bewusst, dass diese Erkenntnis weit über das Lernen hinausgeht. Meines Erachtens erklärt die Vergessenskurve nicht nur, warum wir Namen vergessen oder uns an Inhalte eines Seminars einige Wochen später kaum noch erinnern. Vielmehr erklärt sie auch, warum persönliche Veränderung so oft scheitert.
Denn wenn unser Gehirn Informationen aussortiert, mit denen wir uns nicht mehr beschäftigen, warum sollte es mit neuen Gedanken, neuen Gewohnheiten oder neuen Entscheidungen anders sein? Genau das erleben wir doch ständig.
Wir lesen ein inspirierendes Buch und sind begeistert. Wir hören einen Vortrag und nehmen uns fest vor, künftig besser auf uns zu achten. Wir besuchen ein Seminar und fahren voller Motivation nach Hause. Für einige Tage fühlt sich alles leicht an. Wir glauben, jetzt werde sich wirklich etwas verändern.
Doch dann kommt der Alltag. Das E-Mail-Postfach füllt sich. Das Telefon klingelt. Die Kinder brauchen Aufmerksamkeit. Im Unternehmen warten Entscheidungen. Termine verschieben sich. Unerwartete Herausforderungen tauchen auf. Und plötzlich verschwindet das, was uns noch vor wenigen Tagen so wichtig war, langsam aus unserem Blickfeld. Nicht weil wir versagt haben, sondern weil unser Gehirn genau so funktioniert.
Diese Erkenntnis war für mich eine große Erleichterung. Sie verändert nämlich den Blick auf uns selbst. Statt uns mangelnde Disziplin vorzuwerfen, dürfen wir beginnen zu verstehen, dass nachhaltige Veränderung nach anderen Regeln funktioniert als kurzfristige Motivation.
Ich beobachte das jeden Tag in meiner Arbeit. Die Menschen, die ich begleiten darf, sind absolut keine unmotivierten Menschen. Ganz im Gegenteil. Es sind Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte und Verantwortungsträger, die täglich für andere da sind. Sie übernehmen Verantwortung, treffen Entscheidungen und leisten Außergewöhnliches. Gerade deshalb bleibt oft genau das auf der Strecke, was ihnen selbst guttun würde.
Sie wissen, dass sie Pausen brauchen.
Sie wissen, dass ihr Körper längst Signale sendet.
Sie wissen, dass sie mehr auf ihre Gedanken achten sollten.
Sie wissen all das.
Nur reicht Wissen alleine eben nicht aus.
Je länger ich als Mentorin arbeite, desto mehr wird mir bewusst, dass zwischen Wissen und Veränderung ein entscheidender Schritt liegt: die Wiederholung. Nicht das einmalige Verstehen verändert unser Leben, sondern das regelmäßige Erinnern und Anwenden.
Vielleicht kennst du das von einer Sprache, die du einmal gelernt hast. Solange du sie regelmäßig sprichst, fällt dir jedes Wort leicht. Hörst du jedoch über Jahre damit auf, verschwinden die Vokabeln nach und nach aus deinem Gedächtnis. Sie sind nicht weg. Aber sie sind auch nicht mehr verfügbar. Mit unseren Gedanken verhält es sich ganz ähnlich.
Auch Zuversicht, Gelassenheit oder Selbstvertrauen sind keine Schalter, die wir einmal umlegen und die dann für immer eingeschaltet bleiben. Es sind Denkweisen, mit denen wir uns immer wieder bewusst beschäftigen dürfen.
In den vergangenen Wochen durfte ich das auf eine ganz besondere Weise erleben. Eine meiner Mentees begleitete ich während ihrer Crowdfunding-Kampagne. Viele Menschen haben am Ende das Ergebnis gesehen und sich mit ihr über den Erfolg gefreut. Ich durfte den Weg dorthin miterleben.
So gut wie täglich beschäftigte sie sich mit ihrem Ziel. Wir sprachen darüber, entwickelten neue Ideen, passten Strategien an und suchten gemeinsam nach Lösungen, wenn Herausforderungen auftauchten. Es gab Tage voller Euphorie und Tage voller Zweifel. Doch eines blieb immer gleich: Das Ziel verschwand nie aus dem Blick.
Für mich ist so klar, dass genau darin der eigentliche Erfolgsfaktor liegt. Erfolg liegt nicht an der perfekten Strategie, dem perfekten Zeitpunkt und auch nicht an der perfekten Formulierung. Sondern die Tatsache, dass ein Ziel über Wochen hinweg jeden Tag Aufmerksamkeit bekommt, ist das entscheidende. Was Aufmerksamkeit bekommt, wächst.
Dieser Gedanke begleitet mich seit Jahren täglich. Denn genau das ist der Grund, warum manche Menschen ihre Ziele erreichen und andere nicht. Nicht weil sie talentierter wären. Nicht weil sie mehr Glück hätten. Sondern weil sie ihrem Ziel lange genug Aufmerksamkeit schenken.
Aus genau diesem Grund dauert mein Mentoring sechs Monate.
Nicht weil Veränderung kompliziert ist, sondern weil unser Gehirn Zeit braucht. Neue Gedanken müssen immer wieder gedacht werden. Neue Entscheidungen dürfen immer wieder getroffen werden. Neue Gewohnheiten entwickeln sich nicht an einem Wochenende, sondern mitten im Alltag. Dort, wo Stress entsteht. Dort, wo Zweifel auftauchen. Dort, wo alte Muster plötzlich wieder erstaunlich vertraut wirken.
Deshalb treffen wir uns jede Woche online.
Nicht, weil jede Woche völlig neue Inhalte vermittelt werden müssen, sondern weil jede Woche eine neue Gelegenheit bietet, den Fokus wieder bewusst auf das zu richten, was wirklich wichtig ist.
Und genau deshalb bin ich auch zwischen unseren Terminen für meine Mentees erreichbar.
Die entscheidenden Fragen entstehen schließlich selten während eines Coachings. Sie entstehen am Montagmorgen vor einem schwierigen Gespräch. Sie entstehen am Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag. Sie entstehen genau in den Momenten, in denen alte Gewohnheiten wieder die Führung übernehmen möchten.
Ich bin überzeugt, dass genau dort nachhaltige Veränderung entsteht.
Nicht in den großen Durchbrüchen, sondern in den vielen kleinen Momenten, in denen wir uns erneut für den Weg entscheiden, den wir eigentlich gehen möchten.
Vielleicht hast du dich beim Lesen an der einen oder anderen Stelle selbst wiedergefunden. Vielleicht gibt es auch in deinem Leben ein Thema, bei dem du schon lange denkst: Eigentlich weiß ich das alles. Dann darf ich dir heute einen Gedanken mitgeben: Vielleicht brauchst du gar nicht noch ein weiteres Buch. Vielleicht brauchst du auch nicht den nächsten Podcast oder das nächste Seminar. Vielleicht brauchst du einfach jemanden, der dich dabei unterstützt, deinem wichtigsten Ziel Woche für Woche die Aufmerksamkeit zu schenken, die es verdient.
Denn ich bin heute mehr denn je davon überzeugt: Die meisten Menschen haben kein Wissensproblem. Sie haben ein Wiederholungsproblem.
Und genau darin liegt gleichzeitig die vielleicht schönste Botschaft überhaupt. Denn wenn Veränderung nicht an fehlenden Fähigkeiten scheitert, sondern an der Art und Weise, wie wir unser Denken und Handeln im Alltag gestalten, dann bedeutet das auch, dass wir jederzeit neu beginnen können. Nicht morgen. Nicht am Montag. Nicht zu Jahresbeginn. Sondern genau heute. Mit einem Gedanken. Mit einer Entscheidung. Und mit der Bereitschaft, diesem Gedanken morgen wieder Aufmerksamkeit zu schenken.
Genau dafür bin ich da, um dich auf diesem Weg zu begleiten, damit er auch gelingt. Melde dich gerne jederzeit bei mir – per E-Mail oder telefonisch. 👉 office@maria-prinz.com oder +43 699 12312303
Ich nehme mir gerne Zeit für dein Anliegen und wir schauen gemeinsam, was für dich der nächste stimmige Schritt sein kann.
“Auch Zuversicht, Gelassenheit oder Selbstvertrauen sind keine Schalter, die wir einmal umlegen und die dann für immer eingeschaltet bleiben. Es sind Denkweisen, mit denen wir uns immer wieder bewusst beschäftigen dürfen.”
Die eigentliche Veränderung beginnt dort, wo du dein Denken bewusst steuerst. Wenn du diesen Schritt gehen willst, begleite ich dich dabei.